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Verhaltensregeln für Hundehalter

Ein Mann ging mit seinem Hund Gassi. Ausgerechnet an der Mauer eines denkmalgeschützten Hauses verrichtete der hund seine Notdurft. Daas Herrchen versuchte, die beschmutzte Stelle umgehend mit Wasser zu reinigen, das gelang aber nur teilweise. Der Hauseigentümer brachte gegen den Hundehalter einen Strafantrag wegen „Beschmutzung von fremden Sachen“ ein.

Wie die Gerichte entschieden:

In erster Instanz wurde der Hundehalter vor dem Friedensgericht von Florenz tatsächlich verurteilt. Das Landesgericht sprach ihn aber in der Berufung frei. Der Hauseigentümer ließ sich als Nebenkläger in das Verfahren ein und rief nach dem Freispruch noch das Höchstgericht an. Schließlich wurde der Hundehalter nach einer Prozessdauer von fünf Jahren auch in letzter Instanz vom Kassationsgerichtshof freigesprochen. Das Höchstgericht teilte mit Urteil Nr. 7082/15 die Auffassung des Landesgerichtes von Florenz, wonach in diesem Fall kein Vorsatz seitens des Herrchens und somit kein Straftatbestand vorlag.

Das italienische Höchstgericht hat sehr wohl erkannt, dass die Problematik, die ihm unterbreitet wurde, nicht zu unterschätzen ist, zumal eine solche Konstellation, mit ihren entgegengesetzten schützenswerten Interessen, im Alltag millionenfach vorkommt. Dass es hier letztlich zum Freispruch des Hundehalters gekommen ist, war im Endeffekt jedoch dem wohl glücklichen Umstand geschuldet, dass der Mann im betreffenden Moment eine Wasserflasche mit sich getragen hat, sodass er in der Lage war, die von seinem vierbeinigen Freund verursachte Beschmutzung zumindest zum Großteil sofort zu beseitigen.

Aufgrund dieses Umstandes kam das Höchstgericht zur Auffassung, dass nicht einmal von einem bedingten Vorsatz die Rede sein könne. Damit der Straftatbestand der Beschmutzung im Sinne des Art. 639 StGB vorliegt, wäre der Nachweis eines Vorsatzes jedoch erforderlich gewesen.

Das Gericht hat Hundehaltern diesbezüglich einige Verhaltensregeln nahegelegt - aber immer im Bewusstsein, dass letztlich doch der Hund entscheiden wird, wo und wann er seinem Bedürfnis nachkommt. Verweigert man dem Hund nämlich auch nur für einen gewissen Zeitraum die Möglichkeit, seine physiologischen Notwendigkeiten zu verrichten oder schränkt die Möglichkeiten über Gebühr ein, so läuft man Gefahr, sich der Tierquälerei schuldig zu machen. Also empfiehlt das Kassationsgericht die Benutzung einer Leine, um die Laufwege des Hundes einzuschränken und zu verhindern, dass er gewisse Stellen ansteuert. Das Höchstgericht hat den Hundehalter für das wenig sensible Verhalten seines Vierbeiners gegenüber einem Gebäude von architektonischem und kunsthistorischem Wert zwar nicht verurteilt, aber doch auf die Notwendigkeit einer guten Erziehung des Hundes hingewiesen.

Übrigens: Um Verunreinigungen durch Hundekot zu vermeiden oder zu entfernen, müssen ohnehin geeinigte Säckchen mit sich geführt werden. Was „Hündepipi“ betrifft, gibt es zwar keine Regelung, doch lassen sich auch hier größere Probleme durch verständnisvolles Verhalten des Hundehalters vermeiden.

  • Veröffentlicht: WIKU

WIKU = wöchentliche Beilage der Südtiroler Tageszeitung Dolomiten, auf Wirtschaftsfragen fokussiert.
Dolomiten = Südtiroler Tageszeitung Dolomiten der Verlagsanstalt Athesia.