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Rechtsschutz gilt auch für ungeborenes Leben

Eine im achten Monat schwangere Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht, weil eine Frühgeburt drohte. Der Gynäkologe war der Ansicht, die Entbindung solle noch etwas hinausgezögert werden. Der Frau wurden daher einige Infusionen verabreicht. Die darauffolgenden zwei Tage verliefen recht reibungslos. In der dritten Nacht aber stellten sich bei der Frau starke Schmerzen, sodass sie nach einem Arzt verlangte. Die Pflegerin beschränkte sich aber darauf, den Zufluss der Infusionen zu korrigieren und ein paar Massagen an der Bauchgegend vorzunehmen. Die Schmerzen verschwanden, jedoch nach ein paar Stunden stellten sich die Bewegungen des Fötus ein. In der Früh wurde die Frau einer Notoperation unterzogen, wobei nur mehr der leblose Fötus samt Gebärmutter entfernt werden konnten. Die Frau schlug den Rechtsweg ein und forderte Schmerzensgeld.

Wie die Gerichte entschieden:

Nahe Angehörige von Unfallopfern können Ansprüche auf Schmerzensgeld geltend machen, wenn das Familienmitglied durch das Verschulden eines Dritten ums Leben gekommen ist. Ehepartner, Kindern und Eltern des Verstorbenen stehen Euro 154.000,00 bis 304.000 Euro zu. Den italienischen Gerichten zufolge gilt dieser Anspruch auch für ungeborenes Leben. So wurde der Frau in erster Instanz ein Schmerzensgeld von Euro 175.000,00 zugestanden, in zweiter Instanz wurden ihr sogar Euro 250.000,00 zugesprochen.

Letztlich hat sich auch der italienische Kassationsgerichtshof mit dem Fall befasst. Auch er bestätigte, dass auch bei einem ungeborenen Leben die Eltern Anspruch auf einen Schadenersatz haben, sofern der Schwangerschaftsabbruch auf das Verschulden des behandelnden Arztes oder eines anderen Beschäftigten des Sanitätsbetriebes zurückzuführen ist.

Das Höchstgericht hielt aber auch fest, dass die Ansprüche der Mutter nicht in ausreichender Form abgegolten worden waren. Denn Sie hätte nicht nur für Ihr ungeborenes Kind Schadenersatzansprüche erheben können, sondern auch für den Verlust der Gebärmutter, weil so natürlich weitere Schwangerschaften unmöglich gemacht worden waren. Hätte außerdem der Vater durch diesen Vorfall psychische Beeinträchtigungen davongetragen, beispielsweise eine chronische Depression, dann hätte er ebenfalls Ansprüche erheben können, wie das Höchstgericht betonte.
Dieses Urteil zeigt also, dass die italienische Rechtsordnung nun richtigerweise auch ungeborenes Leben immer mehr schützt.

  • Veröffentlicht: WIKU

WIKU = wöchentliche Beilage der Südtiroler Tageszeitung Dolomiten, auf Wirtschaftsfragen fokussiert.
Dolomiten = Südtiroler Tageszeitung Dolomiten der Verlagsanstalt Athesia.