waage-hammer-buecher

Kündigung wegen Kaffeepause

Einem Bankkunden wurde am Schalter vom Mitarbeiter des Geldinstituts mitgeteilt, er sei nicht in der Lage, die gewünschte Bankoperation durchzuführen, zumal er nicht über die notwendigen technischen Kenntnisse verfüge. Auch wolle er gerade seine Kaffeepause antreten und verließ somit den Schalter, vor dem insgesamt etwa fünfzehn Personen warteten. Die Bank hat dem Mitarbeiter daraufhin das Arbeitsverhältnis gekündigt.

Wie das Gericht entschied:

In den ersten beiden Instanzen hatten die Gerichte entschieden, dass die Kündigung nicht gerechtfertigt sei. Der italienische Kassationsgerichtshof ist mit Urteil Nr. 7829, welches Ende März 2013 hinterlegt wurde, jedoch zur Auffassung gelangt, dass allemal ein gerechtfertigter Grund vorlag, das Arbeitsverhältnis zu kündigen. Zuvor waren die Prozessakten bereits einmal vom Kassationsgericht an das örtlich zuständige Oberlandesgericht zurückgestellt worden, welches die Rechtmäßigkeit der Kündigung dann bestätigt hatte. Insgesamt hat der Streitfall in sechzehn Jahren seit 1998 also fünfmal die Gerichte beschäftigt.

Der Oberste Gerichtshof hat seine jüngste Entscheidung nun dahingehend begründet, dass durch das Verhalten des Mitarbeiters nicht nur die Bank in ihren wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt worden ist, sondern auch das übergeordnete öffentliche Interesse an einer ordnungsgemäßen Handhabung von Geldmitteln. Der Bankschalter war im betrefflichen Moment nämlich unbeaufsichtigt geblieben.

Der Vorgang war auch unter dem Aspekt nicht entschuldbar, dass der Mitarbeiter auf eine bankinterne Praxis hinwies, die es den Mitarbeitern erlaube, eine Kaffeepause einzulegen.

Die Entscheidung ist so zu verstehen, dass seitens der Mitarbeiter zwar natürlich weiterhin Kaffeepausen in Anspruch genommen werden können, jedoch nicht ausgerechnet dann, wenn ein Kunde die Dienste der Firma in Anspruch nehmen will, zumal dies offensichtlich gegen die Interessen des Arbeitgebers verstößt.

Vor ein paar Wochen war in dieser Rubrik über ein Urteil berichtet worden, bei dem das Arbeitsverhältnis einer Mitarbeiterin gekündigt wurde, die öfters nicht pünktlich an der Arbeitsstelle erschienen war.

Man muss darauf vertrauen, dass sich diese Tendenz des italienischen Höchstgerichts weiterhin so fortsetzt und die Instanzgerichte den Vorgaben des Obersten Gerichtshofes auch Rechnung tragen.

Vor einigen Jahren erging beispielsweise nämlich ein Urteil des Landesgerichtes Mailand, bei dem die Kündigung von Mitarbeitern eines Flughafenbetreibers als ungerechtfertigt erachtet worden ist.

Die Mitarbeiter waren zuvor dabei gefilmt worden, wie sie Koffer von Fluggästen geöffnet und Gegenstände entnommen hatten.

Das Gericht begründete die Entscheidung seinerzeit aber dahingehend, dass einerseits die Passagiergäste keinen Strafantrag gestellt hatten und andererseits auch nicht festgestellt werden konnte, welche Gegenstände im Einzelnen überhaupt entwendet worden sind.

Man kann nur hoffen, dass derartige Entscheidungen der Arbeitsgerichte nunmehr der Vergangenheit angehören.

  • Veröffentlicht: WIKU

WIKU = wöchentliche Beilage der Südtiroler Tageszeitung Dolomiten, auf Wirtschaftsfragen fokussiert.
Dolomiten = Südtiroler Tageszeitung Dolomiten der Verlagsanstalt Athesia.